Vor zwei Wochen kam eine Anfrage von @WienXtra – dem Institut für Freizeitpädagogik. Ich darf zwei Fortbildungen im Sommer halten, Zielgruppe: Freizeitpädagog:innen. Das Thema “Die Kraft der Stimme”.
Interessanterweise hatte ich dieses Thema gerade bei meinem Eignungstest für Logopädie. Dabei wurde eine Stimmfeldanalyse gemacht. Eine sehr spannende Erfahrung für mich. Ich bekam einen Kopfhörer mit einem Mikro aufgesetzt und wurde angehalten, sehr laut zu singen. Zuerst nach oben in die Höhen meiner Stimme und dann ganz nach unten. Anforderung dabei war: So laut ich kann! Oh ja das mag ich, ich bereite meinen Körper vor, spüre gut meine Füße und los geht’s!
Also singe ich so laut ich kann. Die Audiologin hat dann lächelnd gemeint: “Frau Reifschneider das war wirklich sehr schön laut.”
Ja, ich kann laut sein.
Wie bringe ich jetzt Kraft in die Stimme?
Wie ist es jetzt bei mir dazu gekommen, dass ich so kräftig singen kann? Es sind verschiedene Faktoren, die da zusammenspielen. Natürlich geht es in erster Linie mal darum, dass die Stimmlippen einen gleichmäßigen Luftdruck brauchen um so einen stabilen Ton zu produzieren, das nennt man die Atemstütze.
Und die Stimmlippen müssen sauber schließen, damit keine Luft entwischt, hier spricht man vom effizienten Stimmlippenschluss. Weil zu wenig Lippenschluss würde eine hauchige Stimme hervorrufen. Kann auch attraktiv wirken, aber Kraft werde ich dadurch nicht soviel zusammenbringen.
Ja und dann kommen noch die Resonanzräume ins Spiel, also in dem Fall eher in den Mund. Die Stimme wird kräftiger, wenn ich meinen Mund-, Rachen- und Brustraum richtig ausnutze. Deshalb klingt man mit guter Resonanz oft laut und präsent, obwohl man gar nicht schreit.
Das nächste große Thema, das ich viel trainiert habe, und immer wieder ein großes Thema ist mit meinen Kund:innen, ist das Thema Artikulation.
Klare Artikulation und deutliche Aussprache geben der Stimmer mehr “Biss” und Präsenz.
Und der Kreis schließt sich mit einem Basisthema, nämlich der Körperhaltung: Aufrechte Haltung öffnet den Halsraum und den Brustkorb. Wenn wir in uns eingesunken sind, dann klingen wir oft kleiner und schwächer. Es kommt natürlich auch darauf an, wie man gebaut ist. Singen braucht Kraft.
Und das wird keinem in die Wiege gelegt. Das kann man alles trainieren.
Ich kann mich noch so gut an meine Gesangsstunden erinnern, wo ich stundenlag am Vokal A gearbeitet habe oder am O – wo sitzt der Vokal genau in meinem Mund? Mit welchem Bereich im restlichen Körper korrespondiert dieser Vokal oder klingt der Vokal? Und wo sitzt mein E und wie kann ich diesen Vokal gut klingen lassen, ohne dass ich dabei den Fokus nach vorne verliere? So viele spannende Fragen, die sich nur beantworten lassen, wenn man sich hinstellt und einfach ausprobiert.
Einfach ausprobieren
Klingt ja eigentlich logisch, ist aber nicht immer ganz klar. Manche Menschen haben so einen hohen Anspruch an sich selbst, dass sie gar nicht mit dem Singen anfangen. Sie könnten ja irgendwas falsch machen.
Ich habe einfach begonnen zu singen und später habe ich mir einen Lehrer:in gesucht um zu üben. Es ist ja auch sehr hilfreich ein Gegenüber zu haben, das Feedback geben kann. Ich hatte viele Lehrer:innen, am Ende war ich mir dann selbst die beste Lehrerin. Ich hatte schon sehr viel Erfahrung und wusste dann, was meine Stimme braucht, um gut zu klingen.
Das heißt üben, üben, üben. Schritt für Schritt. Und singen beginnt ja mit der Sprache. Also: Schnapp dir ein Sprechbuch – ich verwende immer noch das sprechtechnische Übungsbuch von Balser Eberle.
Trau dich: Erforsche deine Vokale und Konsonanten und genieße das Vibrieren auf den Lippen und das Kitzeln auf der Zunge. Das macht Spaß und bringt deutliche Artikulation.
Wenn du mehr aus deiner Stimme machen herausholen willst, dann begleite ich dich gerne.
Bettina Reifschneider